Dienstag, 23. November 2010

Zeitungsinspiration

Die heutige Zisch-Seite in der HAZ hat mich ein wenig nachdenklich gemacht. Es ging um die Errungenschaften der heutigen Technik. Ich mag all diese Dinge und finde sie auch ziemlich praktisch, aber durch die Artikel habe ich wieder bemerkt, dass sie mir manchmal auch zu viel sind. Ich kann mich z.B. noch an den ein oder anderen Laden, ein Café und auch ein paar schöne Straßen und Parks erinnern, die ich nur gefunden habe, weil ich mich verlaufen hab. Hätte ich damals ein Navi gehabt, wäre ich nicht vom Weg abgekommen und um einige schöne Erfahrungen ärmer. Ich mag es, auch mal suchen zu müssen. Mich orientieren zu müssen. Wenn man immer alles vorgegeben kriegt, wird eine neue Stadt, ein neuer Weg irgendwie langweilig. Und ich habe das Gefühl zu verdummen. Besonders wenn man Zeit hat, wenn es nicht drauf ankommt möglichst schnell ein Ziel zu erreichen, mag ich das Suchen, das Ausprobieren, das planlose Umherlaufen. Man entdeckt auf diese Weise viel mehr, als wenn man nur möglichst effektiv von A nach B zu kommen versucht. Wenn es mir wirklich nur darum geht, schnell irgendwo hin zu kommen, nutze ich das Navi natürlich gerne.

Thema Facebook. Man kann dort wohl sogar Teilnehmerlisten von Partys anschauen (nein, das wusste ich nicht) und sich im Vorfeld über die Menschen informieren. Dann findet man gezielt passende Gesprächsthemen, weil man schon seine Lieblingsband kennt, ihre Hobbys und vom Nächsten die bevorzugten Urlaubsziele. Wunderbar. Und dann? Ich will mich doch eigentlich mit Menschen unterhalten, um mehr über sie zu erfahren. Wenn ich schon alle geeigneten Einstiegsthemen über Facebook abgedeckt habe, wo bleibt dann der Spaß? Das wäre ja so, als würde ich ein Geschenk öffnen, von dem ich schon den Inhalt kenne. Ist doch langweilig.

Thema Smartphone. Eine Party, alle hocken irgendwo in der Küche (wo sonst?) und unterhalten sich. Es wird über den Erfinder des Radios spekuliert. Jeder hat eine anderen Tipp. Durch diesen Ansatz geht das Gespräch über Erfindungen und Errungenschaften weiter und es wird überlegt, was man im Leben unbedingt gemacht haben muss. Alle sind mit Begeisterung dabei. Die Frage, wer nun der Erfinder des Radios war, ist längst nicht mehr interessant. Doch einer der Gruppe hat ein Smartphone und ruft mitten ins Gespräch „Es war Tesla!“ gefolgt von einer Erläuterung, wann und wo er es erfunden hat. Genervte Blicke. Die Unterhaltung ist tot. Danke dafür. Auch hier ist es mir lieber, Dinge im Unklaren zu lassen. Einfach zu spekulieren und es dann liegen zu lassen und weiter zu reden, wenn einem danach ist. Oft ist es einfach nicht wichtig, genaue Fakten zu kennen. Was hat der Gruppe diese Information gebracht? Ich meine von einem jähen Ende des Gesprächs einmal abgesehen. Nix. Es war einfach egal. Es war zu dem Zeitpunkt schon längst vergessen. Und das nachträgliche einwerfen von Fakten, die zu einem Gesprächsteil gehören, der schon vorbei ist, wirkt für mich einfach nur störend auf die Unterhaltung.

Es gibt viele „Blüten“ der heutigen Möglichkeiten, die ich nicht mag. Die ich störend finde, die mir etwas weg nehmen. Ich bin nicht gegen das alles. Ich möchte aufs Navi nicht mehr verzichten, genauso wenig wie auf viele andere nützliche Dinge wie Google Maps/Street View und mein Handy. Aber ich wäre für eine angenehmere Dosierung des Ganzen.

Kommentare:

  1. Ja, schöne Beobachtungen, sehe ich ganz ähnlich.

    Um das Beispiel mit dem Erfinder des Radios aufzugreifen: Es ist wirklich reizvoller, darüber zu spekulieren, als in der Wiki nachzuschlagen, was halt mittlerweile jeder kann -- und wenn er ein Smartphone hat, eben auch auf der Party.

    Und ja, es ist beeindruckend, was eine Navi alles kann. Aber besonders sportlich ist es nicht, sich nur damit in einer fremden Stadt zu orientieren.

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  2. Gerade beim Navi kommt es bei mir sehr auf die Situation an. Wenn ich Zeit habe, in Entdeckerlaune bin oder gar kein konkretes Ziel habe, will ich kein Navi. Dann kommt mir höchstens mal eine Karte in die Tasche. Wenn es schnell gehen muss, ich keine Lust auf Neues habe (ja, auch das kann vorkommen) oder wirklich nur von A nach B will, ohne Schnörkel, dann ist das Navi mein Begleiter. Ich habe da aber keinerlei "sportlichen" Ehrgeiz. Mein Bauch verlangt Navifreiheit, oder eben auch nicht.

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  3. Da lob ich mir Irland, wo alle Navis regelmäßig versorgen, sobald man von den Bundesstraßen abfährt. Da verlerne ich das Kartenlesen auch nicht. *g*

    Ich kenne auch solche Smartphone-Fans und ertappe mich dabei, wie ich manchmal Dinge in ihrer Gegenwart nicht erwähne, weil ich sonst das passende Youtube-Video, den Wiki-Eintrag und die Facebook-Seite präsentiert bekomme. Manchmal will man sich nur unterhalten, nicht Informationen abfragen.

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  4. *wo alle Navis VERSAGEN. Nicht versorgen. ;)

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  5. "Ich kenne auch solche Smartphone-Fans" Ja! :-D

    Und das mit dem "sportlich" meinte ich so: Ich war mal recht stolz auf meine Fertigkeiten im Karten- und Stadtplan-Lesen und ärgere mich darüber, damit heute angesichts einer Navi- und Smartphone-vernarrten Liebsten nicht mehr angeben zu können. :-D Na, vielleicht mal in Irland...

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  6. @Stina
    Jepp, ich erwische mich auch manchmal dabei.

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